Mobiles Bezahlen: Darauf muss sich der Handel einstellen

Die Deutschen lieben Bargeld, doch kontaktlose Girocards sind inzwischen weit verbreitet. Verbraucher können über Google Pay, das neuerdings mit Paypal zusammenarbeitet, mit Android-Smartphones zahlen. Auch der Großkonzern Apple steht mit einer entsprechenden Anwendung, Apple Pay, in den Startlöchern und wird das bargeldlose Zahlen weiter pushen. Aber was bedeutet dieser Trend für den deutschen Handel?

Den Mittagsimbiss, eine Rose für die Liebste oder andere Kleinbeträge nur durch eine kurze Terminal-Berührung zu zahlen, ist vor allem in China, aber auch in europäischen Ländern wie Schweden längst gang und gäbe. Das spart Zeit und macht den Gang zum Geldautomaten überflüssig. In Deutschland spielt Bargeld zwar weiterhin eine wichtige Rolle, das Bezahlen soll jedoch auch hierzulande in Zukunft noch einfacher, schneller und vielfältiger werden. Denn Anwendungen wie Google Pay, Apple Pay, Ali Pay und We Chat machen es vor, wie einfach das mobile Bezahlen funktionieren kann.

Der Handel steht vor einer mobilen Revolution, denn der mobile Anteil am Online-Commerce wird kräftig steigen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Mobile in Retail 2018“. Der Technologieanbieter GS1 Germany befragte dafür renommierte Händler, Markenartikelhersteller sowie Banken und Finanzdienstleister, wie sie die Themen rund um Mobile Commerce einschätzen. Im Zentrum standen Fragen wie: Was braucht Mobile für den Durchbruch den bei den Konsumenten? Werden die Kosten für die Beteiligten steigen? Welche Hürden muss Voice Commerce noch nehmen?

Experten gehen davon aus, dass die Nutzerzahlen, aber auch die Kosten steigen werden. Google Pay und der baldige Start von Apple Pay werden die Nutzerzahlen für das Mobile Pay kräftig pushen. Zusätzlich werden Angebote wie Ali Pay und We Chat diesen Effekt mittelfristig verstärken. Studienteilnehmer sind sich nämlich sicher, dass die beiden Bezahlangebote in fünf Jahren auch in Deutschland verfügbar sein werden. Der Markteintritt der erfolgreichen Bezahllösungen aus China wäre für viele nur ein folgerichtiger Schritt. Das wiederum wird sich dann auf die Kosten im Zahlungsverkehr auswirken. 50 Prozent der befragten Händler erwarten eine Steigerung und 36 Prozent eine Senkung. Lediglich 14 Prozent gehen davon aus, dass sich die Kosten für bargeldloses Zahlen nicht verändern.

Ein Schwerpunkt der diesjährigen Studie drehte sich auch um die Frage, welche Apps die Verbraucher zum mobilen Zahlen befähigen soll. Der Handel spricht in der Studie mit 43 Prozent seine Präferenz für die Integration der Bezahllösung der Banken in die eigene App aus. „Es kommt Bewegung in das mobile Bezahlen. Händler, Banken und Dienstleister sind gut beraten, sich hier gemeinsam aufzustellen“, empfiehlt Ercan Kilic, Leiter Mobile Solutions bei GS1Germany.

Mobile und Nutzung

In einem Punkt fördert die Studie ganz Erstaunliches zutage: Händler verzeichnen über 50 Prozent mobilen Traffic auf ihrer Webseite. Das bedeutet, dass deutlich mehr als jeder zweite Online-Zugriff von mobilen Endgeräten erfolgt. Überraschenderweise wissen trotzdem mehr als die Hälfte der an der „Mobile in Retail“-Studie beteiligten Händler nicht, welchen Anteil das an ihrem Umsatz hat. Hier zeige sich, dass der Shopper das Thema Mobile Commerce derzeit mehr besetzt als der Handel und seine Partner. Es besteht Handlungsbedarf, um die Relevanz dieser Umsatzkategorie einzuordnen und den mobilen E-Commerce strategisch ausrichten zu können.

Des weiteren wurde abgefragt, wie es aus Sicht der Studienteilnehmer um das Voice Commerce bestellt ist. Das Angebot ist inzwischen vielfältig: Features wie Alexa, Siri, Cortana und Google Assistant buhlen um Marktanteile und die Familie der digitalen Sprachassistenten und Smart Speaker wächst. Aber sie sind noch längst nicht in jedem Haushalt anzutreffen. Woran liegt das? Die Studienteilnehmer sehen den Grund darin weniger in den Anschaffungskosten oder bei Bedenken in puncto Datenschutz, sondern vielmehr beim Reifegrad der Anwendungen. Zwei Drittel glauben, dass eine Verbesserung hier zu einer flächendeckenden Verbreitung beim Endkunden führen würde.

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Lisa Priller-Gebhardt

 ist freie Journalistin und schreibt über die deutsche Medienlandschaft, vorwiegend für das Fachmagazin Werben & Verkaufen, aber auch für Kontakter, Welt am Sonntag, SZ sowie den Blog der BLM. Themenschwerpunkte sind Fernsehen, Digitalwirtschaft sowie Printmedien. Nach einem Volontariat bei Hubert Burda Media und dem Besuch der Deutschen Journalistenschule in München arbeitete sie für Bunte, Bild, Freundin, Antenne Bayern und die Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung, Jetzt.

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