Digitale Transformation •

Zukunft des Geschäftsberichts: Der Investor als User! Usability entscheidet über Kommunikationserfolg

Das digitale Reporting ersetzt weiter stetig die Printversion des Geschäftsberichts. Dass es hierbei nicht nur darum geht, den gedruckten Bericht als PDF verfügbar zu machen, ist inzwischen in den meisten Köpfen angekommen. Dennoch weist die Umsetzung vielerorts noch Schwächen auf, besonders in Bezug auf die Benutzerfreundlichkeit (Usability) und die Nutzererfahrung (User Experience). Aber gerade diese Faktoren sind wichtig für Reichweite und Kunden- bzw. Investorenbindung und sollten deshalb wesentlicher Bestandteil der Digitalisierungsmaßnahmen sein. 

Was muss ein Digitalisierungskonzept für den Geschäftsbericht noch leisten?

Die drei wesentlichen Säulen eines zeitgemäßen Digitalberichts sind neben guter Usability und User Experience diese:

  • Informationen müssen unmittelbar zu finden sein
  • spannendes Storytelling
  • teilbarer Content

Eine umfassende Digitalstrategie für den Investor-Relations-Bereich ist somit unabdingbar, um das Vertrauen der Stakeholder zu festigen. Diese erwarten heute vor allem Transparenz auf allen Ebenen und (mobile) Informationen in Echtzeit. Ein zukunftsfähiger digitaler Geschäftsbericht ist damit mehr als die elektronische Bereitstellung des Printberichts. Er ist die konsequente Weiterentwicklung zielgruppengerechter Finanzkommunikation unter Einbeziehung sämtlicher technischer Möglichkeiten. 

Vorteile des digitalen Reportings

Drei Argumente für die rein digitale Umsetzung des Geschäftsberichts sind von entscheidender Bedeutung:

  • Erreicherpreis:kostengünstigere Erstellung im Vergleich zum Printbericht bei Distributionskosten, die gegen Null gehen
  • Umwelt:mehr Nachhaltigkeit durch weniger Papierverbrauch, Verpackung und Versand an die Stakeholder
  • Verbreitung:höhere Reichweite durch teilbare Inhalte und nutzerfreundliche Aufbereitung

Neben diesen Faktoren sind auch Einflüsse von Vorteil, die zwar weniger messbar sind, dafür aber langfristig wirken: Wenn Unternehmen zeigen, dass sie den Herausforderungen der Digitalisierung auf Augenhöhe begegnen und diese als Chance begreifen, vermitteln sie ihren Anlegern Innovationsfreude und Zukunftsorientierung – und damit eine enorm wichtige Grundlage: Sicherheit. 

Gesetzeslage: Welchen Einfluss hat MiFID II auf den Geschäftsbericht?

Die Finanzmarktrichtlinie der EU (MiFID II) trat zum 3. Januar 2018 in Kraft und verpflichtet seitdem institutionelle Investoren dazu, ihre Kosten offenzulegen. Darauf hat die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA reagiert und einen Gesetzentwurf verabschiedet, der die Digitalisierung des Reportings vorantreiben wird: Emittenten sind ab dem 1. Januar 2020 dazu verpflichtet, ihren Jahresbericht in einem europäisch vereinheitlichten digitalen Format (European Single Electronic Format, kurz ESEF) zu erstellen.

Bessere Usability und User Experience durch XBRL und Progressive Web Apps 

Das Gesetz der ESMA ebnet den Weg für eine strukturierte elektronische Berichterstattung mit Extensible Business Reporting Language (XBRL). Diese basiert auf der Auszeichnungssprache XML, die Auswertung, Repräsentation und Verarbeitung der Daten vereinfacht. Damit können Unternehmen ihre Jahresabschlüsse z.B. als E-Bilanz an die Finanzbehörden übermitteln. Diese wiederum können die Daten durch die standardisierte Darstellung automatisch in ihr System einlesen und anschließend auswerten. Der Informationsfluss wird durch XBRL also einfacher und schneller, ist weniger fehleranfällig und spart Kosten. Anders ausgedrückt: Die Usability für Empfänger wird deutlich verbessert und der Aufwand für die Qualitätssicherung seitens der Berichterstatter wird dank der vereinheitlichten Datenübertragung reduziert.

Für eine positive User Experience beim digitalen Geschäftsbericht ist der Einsatz von Progressive Web Apps (PWA) das Mittel der Wahl. Diese sind responsive Website und App in einem. Das heißt, sie werden im Browser über eine URL aufgerufen, besitzen aber gleichzeitig Offline-Funktionen. Dadurch, dass PWAs nicht installiert werden müssen, sparen sie Speicherplatz auf dem Smartphone, halten die Inhalte von Geschäftsberichten aber trotzdem offline durch Caching verfügbar. Kombiniert mit XBRL bieten PWAs eine lebendige und interaktive User Experience beim Geschäftsbericht und stärken so das Image des Unternehmens nachhaltig.

Thorsten

studierte BWL mit den Schwerpunkten Steuerlehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Mannheim. Er ist Geschäftsführer der NetFederation GmbH und fachlich verantwortlich für den Bereich Digital Finance & Banking. Seit 2003 untersuchen er und sein Team von Spezialisten jährlich die Internetauftritte von 110 Unternehmen aus DAX30, MDAX, SDAX und TecDAX. Mittlerweile wurden über 10.000 einzelne Websites mit fast 5 Mio. Einzelbewertungen analysiert. Die Ergebnisse dieser Analysen sind bereits in zahlreiche Publikationen, Artikel und Studien eingeflossen. Thorsten Greiten ist seit vielen Jahren als Dozent für den Bereich Investor Relations im Internet für das F.A.Z-Institut, den Management Circle oder den Deutscher Investor Relations Verband in Frankfurt am Main tätig.

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