Neuer Messenger Allo weiß mehr

Bots verändern die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren und Informationen wahrnehmen. Google startete Ende September einen virtuellen Assistenten namens Allo, der auf Künstliche Intelligenz setzt und damit über bisherige Messenger Angebote hinausgehen soll. Aber brauchen wir überhaupt noch eine weitere Messenger App neben WhatsApp, dem Facebook Messenger, Snapchat, Threema, Telegram und Konsorten? Und sollen sich Unternehmen damit auseinandersetzen?

Wer die Allo App auf seinem Smartphone installiert, profitiert von einem Algorithmus, der unser Verhalten analysiert. So kann dessen Google Assistant beispielsweise unsere Fotos auswerten und ermöglicht Smart Replys, die wir als Antwort in einem Chat oder als Fragen nutzen können. Auf diese Weise können wir unsere Kommunikation automatisieren und zur richtigen Zeit, die passenden Antworten abgeben. Trotz des Hypes um KI- und Bot-Themen sollte niemand zu viel von Allo erwarten. Der Messenger ist noch ganz am Anfang seiner Entwicklung und dürfte sein richtiges Potential erst im nächsten Jahr entfalten, wenn der Google Assistant auch auf anderen Google Produkten wie Google Home läuft. Zurzeit funktioniert er erst in Englisch richtig gut.

Im Unterschied zu einer Google Suche kann ich als Allo-Nutzer in natürlicher Sprache mit Google kommunizieren und mich informieren. Die Antworten erhalte ich nicht mehr als Ergebnisliste in einer Suchmaschine, sondern direkt eingeblendet im Messenger Gespräch mit Allo. Das erinnert an Apples Siri oder Microsofts Cortana. Allo wertet eingehende Nachrichten aus, analysiert Bilder und macht sogar selbst Textvorschläge für die Antworten, die wir sonst eintippen oder diktieren müssten. Das ist komfortabel, macht es jedoch erforderlich, dass Allo unsere Daten einsehen kann.

Das Messenger Angebot wächst rasant

Messenger nehmen insgesamt an Bedeutung zu, das ist kein Geheimnis. Privat nutzen wir sie schon lange; schon bevor Unternehmen überhaupt daran gedacht haben, sie beispielsweise fürs Marketing oder den Kundenservice einzusetzen, kommunizierten wir munter über diverse Messenger.  

Inzwischen haben eine große Auswahl an Messenger, sodass sich die Frage stellt, ob wir überhaupt neben den großen Angeboten Facebook Messenger, WhatsApp und Snapchat noch eine Alternative benötigen. Der Google-Konzern beantwortet die Frage mit einem klaren Ja. Dabei geht es vor allem um die Konkurrenz der Plattformen. Wir sollen auf einer bleiben und nicht zur Konkurrenz wechseln. Dazu tragen auch immer neue Features bei, die nach und nach in die einzelnen Messenger integriert werden. Was Features angeht, will Google mit Allo punkten, denn es ist mit dem Google Assistant verzahnt und soll Nutzer so im Alltag besser unterstützen können.

Google Assistant setzt auf KI und neue Features

Was kann Allo nun, was andere nicht können? Mithilfe von KI und Machine Learning kann es den Nachrichtenverlauf permanent analysieren. Das wiederum ermöglicht ihm, Vorschläge für schnelle Textantworten anzubieten, die sich sogar nach und nach dem Sprachstil des Nutzers sowie dem Inhalt der Unterhaltung anpassen. Dazu können die Allo-Nutzer bereits nach der Installation direkt mit dem Tool chatten, danach genügt ein @google in der Nachricht, um Fragen zu stellen.

Auch wenn das für viele momentan vielleicht noch gruselig klingt: Wer auf die Verschlüsselung seiner Daten keinen Wert legt, wird Allo genau wegen der Funktionen, die durch den Google Assistant möglich werden, sehr schnell schätzen und sogar lieben lernen. Praktisch dürfte für viele auch die Funktion sein, schon veröffentlichte Chatnachrichten wieder löschen zu können – das soll zumindest in normalen Chats möglich sein.

Was Allo von anderen Messenger-Angeboten unterscheidet

Was Allo seinen Konkurrenten durch den Google Assistant voraus hat, ist beispielsweise die Möglichkeit, Restaurants zu finden und sogar direkt einen Tisch zu bestellen. Dafür muss man ihm noch nicht einmal einen direkten Auftrag erteilen – wenn aus dem Chat hervorgeht, dass das Gespräch sich ums Essen gehen dreht, zeigt der Google Assistant direkt entsprechende Restaurants in der Nähe an.

Zudem bleiben Nutzer von Allo immer auf dem Laufenden. Ein tägliches Update zum Wetter, den Sportergebnissen oder die aktuellsten Nachrichten? Kein Problem. Auch wenn es darum geht, sich Reiseoptionen anzeigen zu lassen oder Wissensfragen zu stellen, ist man bei Allo an der richtigen Adresse. Als Weiterentwicklung der intelligenten Suchmaschine Google Now bereitet es uns auf die Hardware Google Home vor, dem smarten Lautsprecher. Dort wird es den Google Assistant als Alternative zu Alexa beim Amazon Echo geben.

Neue Perspektiven für die Content Distribution durch Allo

Allo zeigt, dass im Messenger-Bereich noch viel Luft nach oben ist und sich niemand auf bisherigen Erfolgen ausruhen darf – auch nicht Facebook oder WhatsApp. Gerade im Hinblick auf die anlaufende Entwicklung der Bot-Kommunikation im Messenger und die Möglichkeiten sowie Einsatzgebiete, die sich in der Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden durch Messenger etablieren könnten, ist das erst der Anfang eines Trends; der Beginn des One-To-One-Marketings auf Messenger-Ebene, das es für Marken gilt, zu etablieren und damit, langfristig gesehen, Geld zu verdienen.

Mit Allo können Unternehmen einen Blick in die Zukunft werfen. Denn die Mechanismen, auf die Allo schon heute setzt, werden schon bald wichtig für jede Art von Content Distribution auf Basis von Messengern werden. Bots müssen in der Lage sein, auf viele komplizierte Fragen der Nutzer direkt und persönlich zu reagieren. Wer gute Antworten auf Allo, Siri oder Cortana gewohnt ist, erwartet diese auch auf Facebook Messenger Bots, die immer größere Verbreitung finden. Über Allo werden viele Menschen erstmals Bots im ständigen Kontakt kennenlernen. Bislang verzeichnet Allo mehr als 1 Million App-Downloads.

Im digitalen Alltag werden wir uns an Bots gewöhnen, die uns viele kleine alltägliche Aufgaben abnehmen und dadurch das Leben erleichtern. Allo und Alexa basieren auf Daten, die wir bereitwillig zur Verfügung stellen. Wer das nicht mag, muss sich auf diese neue Welt nicht einlassen, sollte gleichzeitig jedoch auch sein bisheriges Nutzungsverhalten im Digitalen analysieren. Wer nicht anonym im Web unterwegs ist, hinterlässt unendlich viele Informationen über seine Person. Das wird einem bei Allo vielleicht nur etwas bewusster. Eines wird uns eine KI nicht abnehmen können: das Denken.