Neun Tipps zum Aufbau eines Innovationsprogramms 

Als erfahrene Gründer werden wir immer wieder in Innovationsprojekte großer Unternehmen eingebunden. Vor allem die Unterstützung von Inkubatoren, Acceleratoren oder zentraler Digitalisierungsabteilungen ist zu einer unserer Hauptaufgaben geworden. Dies hat uns die Chance gegeben, viele verschiedene Ansätze kennen zu lernen. Aus dieser Erfahrung heraus bauen wir mittlerweile auch Programme komplett mit Unternehmenspartnern auf.

Daraus leiten wir 9 Regeln ab, die auch Dich dabei unterstützen können Dein Innovationsprogramm erfolgreich zu machen:

1.    Definiere feste Ziele

Startpunkt sollte immer das Abstecken eines festen Bereichs sein. Ziele und Aufgaben sollten dem eigenen Management und vor allem den Teilnehmern immer klar sein. Das Problem mit unklaren Zielen ist, dass jeder Stakeholder andere Erwartungen haben wird und keine klaren Prioritäten gesetzt werden. Undefinierte Erwartungen sind das Schlimmste für jedes Innovationsprojekt.

Das aufgestellte Team muss wissen welche Art von Geschäftsmodellen gesucht wird, welche Produkte interessant sind und welche Ressourcen für das Programm bereitgestellt werden können.

Darüber hinaus sollte man sich darüber klar sein, welche Ideen unterstützenswert sind. Sucht Ihr nach externen Ideen und Neugründungen oder sucht Ihr Ideen und Mitarbeiter aus dem eigenen Unternehmen? Je nach Frage ist ein weiteres Thema offen: Was willst Du mit dem Programm erreichen? Soll das Programm eher zur digitalen Transformation der Mitarbeiter beitragen oder tatsächlich Produkte entwickeln?

Die Ziele für das Programm können sich im Laufe der Zeit ändern, aber nicht innerhalb einer Klasse. Wir empfehlen sie auch nicht innerhalb der ersten beiden Klassen zu ändern. 

2.    Lass deine Teams mit Mentoren arbeiten

Es spielt keine Rolle, ob das Team und die Ideen von extern oder intern kommen: Wichtig ist es, externe Mentoren zu nutzen, um kreatives Denken zu fördern. In dem Moment wo alle Mentoren interne Führungskräfte sind, wird das Projekt wieder in der Unternehmens-Blackbox entwickelt und selten einen Weg hinausfinden. Externe Mentoren fragen die „dummen“, unangenehmen und unpolitischen Fragen. Sie werden ihre Finger in die Wunden legen und Potenziale aufdecken.

Wesentlich ist also die Auswahl der Mentoren. Wählt Personen mit einer eigenen Erfolgsgeschichte. Ein guter Mentor kommt entweder aus der jeweiligen Branche und/oder hat zumindest weitreichende Erfahrung mit den entsprechenden Methoden. In jedem Fall sollten die Mentoren ein Gewinn für Dein Programm sein.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Miteinbeziehung der Mentoren in Eure Entscheidungsfindung, ob Teams weiter im Innovationsprogramm bleiben sollten oder nicht. Für die Mentoren trägt es maßgeblich zur Motivation bei, Teil der Entscheidung zu sein. 

3.    Gib dem Programm eine Seele

Für jedes erfolgreiche Produkt ist ein Branding ein wichtiger Erfolgsfaktor. Das gleiche gilt für Innovationsprogramme. Behandle das Programm wie ein Start-up selbst: erstelle eine Marke, eine Botschaft, ein Design, eine Seele.

Was ist der Unterschied zu normalen Projekten? Wie kann das Programm Mentoren als auch Teilnehmer von außen anziehen? Wie sollen sich "normale" Mitarbeiter des Unternehmens an das Programm erinnern?

Lebe dein Programm und mach deine Teammitglieder zu Botschaftern deiner Marke. Dies funktioniert für Produkte, dies gilt auch für Unternehmens-Innovationsprogramme.

4.    Vermeide die Unternehmens-IT

Unser absoluter Geheimtipp: Sei unabhängig von Deiner Unternehmens-IT. Wir stellen uns vor: Keine Governance! Keine zentrale Softwareverteilung! Keine acht Minuten, um das Betriebssystem zu starten! Kein Anruf zur Support-Hotline zur Installation eines Druckers! Keine deaktivierten USB-Anschlüsse! Endlich Zugriff auf Dropbox, Trello und Wunderlist.

Die Teammitglieder jedes Innovations-Programms werden Google verwenden. Und so werden sie in Kontakt mit nützlichen Tools wie Slack, WordPress, Amazon Web Services, Mailchimp, Hubspot, Trello, Instapage, etc. kommen. Mit diesen Tools zu arbeiten ist besonders, weil sie die Produktivität steigern. Jedes ist leicht erlernbar und wenn man nicht weiterweiß, gibt es das passende Tutorial auf YouTube. Die Teams erkennen diese Vorteile sehr schnell.

Webbasierte Tools sind dabei nicht nur technologisch von Vorteil – die Teams wollen mit den neuen Methoden arbeiten. Daneben sind aber physische Dinge, wie Scrum-Boards oder die Überwachung des Fortschritts mit Post-ist von Vorteil. Neben den Teams sehen auch die Besucher damit, dass richtig was passiert

5.    Ohne Spielzeug gewinnt die Konkurrenz

Neue Innovationsprogramme leiden häufig unter fragwürdigen Prioritäten. Ganz oben auf der Liste scheint oftmals die räumliche Ausstattung zu stehen. Es fließt mehr Geld in den Innenarchitekten, als in das Set-up und die Tools des Innovationsprogramms. Unweigerlich führt dies zu einem holprigen Projektstart und zu der Erkenntnis, dass es zu wenig Tische oder beklebare Wände gibt mit denen man ordentlich arbeiten kann.

Zwischen Erfolg und Misserfolg des Programms stehen die Menschen und ihr Verhalten, und das Spielzeug. Vergiss nie das Spielzeug!

Mit Spielsachen verstehen wir Dinge wie VR-Brillen, 3D-Drucker, intelligente Haushaltsgeräte, 4K-Bildschirme, Playstation, Nerf Guns etc. Alle Dinge, die Kinder und Erwachsene auf den ersten Blick unwirksamer und unproduktiver machen. Aber denk mal eine Sekunde darüber nach: Du willst, dass die Menschen außerhalb der Box denken! Sie müssen also Dinge erleben, spüren und fühlen, die sie nicht zu Hause haben! Wie sollte jemand eine Idee bringen, die den Megatrend VR zu einem realistischen Geschäftsmodell macht, wenn er noch nie eine VR-Brille aufhatte? Ja, dieses Spielzeug kostet Geld, aber mehr Geld kostet es, wenn am Ende der Konkurrent die Nase vorne hat.

6.    Sei agil, aber nicht dogmatisch

Zunächst einmal: Agile ist nicht gleich Scrum. Wir lieben es agil, aber wir sind nicht dogmatisch in der Art, wie wir es tun (wir sind nicht McKinsey). Sprints und alle Basiskonzepte agiler Produktentwicklung sind für uns essentielle Tools, aber nicht jedes Projekt braucht alle Rollen. Ob Daily, Weekly oder Recaps nötig sind, sollte der Projektkontext vorgeben und kein starrer Prozess sein.

Was wir jedoch immer tun, ist eine ordentliche Dokumentation des Projektfortschritts sowie offene Roadmaps zu verfassen.

7.    KPIs, Controlling, die totale Überwachung

Nichts ist wichtiger als eine klare Berichtsstruktur. Führungskräfte, die das Programm unterstützen, brauchen KPIs. 

Die nötigen Daten für das Reporting müssen in den Projekten generiert werden, aber bitte ohne diese in ihrer Geschwindigkeit einzuschränken. Dies gilt auch für jedes fremdkapital-finanzierte Start-up – jeder professionelle Investor will regelmäßig relevante KPIs geliefert bekommen, um Veränderungen frühzeitig zu bemerken. Warum sollte dies für Innovationsprogramme anders sein? Vermeide böse Überraschungen durch die Beobachtung der Teams.

8.    Sei transparent

Große Unternehmen haben eine ganze Menge wertvoller Assets. Was ihnen oftmals fehlt ist Offenheit und Transparenz. Die meisten Entscheidungen werden aufgrund unternehmenspolitischer Hintergründe getroffen. Wissen ist Macht und die gibt niemand so gerne auf. 

Modernes Innovationsmanagement legt jedoch nahe, eine offene und transparente Kultur zu schaffen und zu fördern. 

Das Innovationsprogramm sollte also als ein gutes Beispiel vorangehen: Kommuniziere das Gelernte in das Unternehmen und zeige den Programmteilnehmern, dass dies eine Stärke ist und dass Gegenschläge ausgehalten werden können. 

9.    Wähle die Menschen, nicht Ideen

Die letzte Regel ist unsere wichtigste Lektion. Wenn Du interne Teilnehmer für dein Programm suchst versuche die besten Charaktere und Talente für das Programm zu gewinnen. Wenn Du die richtigen Menschen kombinierst, werden Ideen von ganz allein kommen und auch erfolgreich sein. 

Wenn du eine großartige Idee auswählst, aber nicht die richtige Kombination von Menschen, wird Dein Management Dir immer wieder Versagen vorwerfen. Denn geködert von einer vielversprechenden Idee, erwarten sie zwangsläufig einen Erfolg. Wenn Du aber talentierte Leute auswählst, kannst Du nahezu jede Idee erfolgreich aufziehen.

Es gibt keine Statistik dazu, nur unsere Erfahrung. In der Vergangenheit funktionierte es jedoch immer besser, wenn wir auf eine gute Kombination von Menschen setzten, anstatt Ideen auszuwählen.