Beacons: Welche Chancen und Potenziale eröffnen sie Händlern?

Viele lokal tätige Unternehmen haben längst erkannt, dass sie das Internet für sich nutzen können, indem sie ihre Website für Suchmaschinen optimieren, ihre Produkte auf Bewertungsplattformen beurteilen lassen und Social-Media-Kanäle pflegen. Ortsbezogene Dienste - sogenannte Location Based Services (LBS) - sind die konsequente Erweiterung auf mobile Geräte. Mehr als die Hälfte der Smartphone-Nutzer benutzen bereits ortsbezogene Dienste mit GPS und Wifi. Dies war nur der Anfang, mittlerweile ist diese Technik um Geofencing und Beacons ergänzt. Geofencing ermöglicht bereits die gezielten standortbezogene Ansprache von App-Nutzern in Abhängigkeit vom aktuellen Aufenthaltsort. Beacons sind die konsequente Weiterentwicklung dieser Idee. Lesen Sie hier, wie Ladengeschäfte von den kleinen Sendern profitieren können.

LBS – Unterschied zwischen Geofencing und Beacons

Im Grunde sind die Verwendungsoptionen von Geofencing und Beacons identisch. Der Unterschied besteht darin, dass LBS (über Geofencing) sehr gut „draußen“ und mit Radien bis zu mehreren Kilometern funktioniert. Beacons – was sinngemäß „Funk-Leuchtfeuer“ bedeutet – arbeiten technisch anders, und zwar mit kleinen Hardware-Sendern, die ein Signal über Bluetooth senden. Diese zeichnen sich durch eine extreme Genauigkeit in der Ortung (> 1 Meter) aus, besonders im Innenbereich. Hier funktioniert das klassische LBS nicht, weil es unter anderem auf freie Sicht von GPS-Satelliten angewiesen ist. Eine Möglichkeit ist, LBS durch die Kombination von Geofencing und Beacons zu ergänzen: Geofencing holt den Kunden in den Laden und Beacons „informiert“ beispielsweise den Kunden im Laden.

Kostengünstige Technologie

Beacons sind kostengünstige Hardware-Sender, die via Bluetooth mit mobilen Endgeräten – zum Beispiel einer App auf einem Smartphone – kommunizieren können. Da es sich um eine kostengünstige Technologie handelt, sind Beacons auch für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) interessant. Ein möglicher Einsatzbereich ist das Marketing am Point of Sale (PoS): Potenzielle Kunden können dort Produktinformationen, Angebote oder Aktionen mit ihrem Smartphone empfangen und so zusätzlich zum Kauf animiert werden oder weitere ortsbezogene Dienste zur Verfügung gestellt bekommen. Voraussetzung ist, dass der User/Kunde eine entsprechende App installiert, die (unter anderem) die Kommunikation über Bluetooth mit den Beacons zulässt.

Beispiele für Anwendungen

  1. Steht der User/Kunde vor dem Regal mit Konservendosen, können z. B. detaillierte Angaben über den Hersteller und Zutaten bereitgestellt werden, um die Auswahl zu erleichtern. Natürlich kann der Kunde auch ein Exklusivangebot erhalten: „Kaufen Sie heute zwei Packungen Fertignudeln und erhalten Sie kostenlos dazu eine Dose Tomatensoße!“ Vorteil für den User/Kunden: Er erhält weitere wichtige Informationen oder einen Spontanrabatt. Vorteil für den Händler: Er kann besseren Service in der Beratung bieten oder aber einen  Spontanrabatt bieten, der nur eingesetzt wird, wenn ein Kaufanreiz erforderlich ist, z. B. wenn der Kunde sich nicht entscheiden kann. Das kurbelt den Umsatz an, da die Kunden sich besser informiert fühlen und im Gegensatz zu flächendeckenden Rabattaktionen der Nachlass nur selektiv gegeben wird.
  2. Der User/Kunde steht seit sieben Minuten vor dem Weinregal. In diesem Moment geht eine Push-Mitteilung an das Informationssystem der Fachabteilung: „Unentschlossener Kunde vor dem Weinregal, Fach Nr. 3“. Daraufhin kann der Weinfachverkäufer den unentschlossenen Kunden ansprechen, beraten und zu einem individuellen Kauf motivieren.

Voraussetzungen für den Einsatz von Beacons

Als Vorbemerkung sei vorangestellt: Wie so oft bei neuen Technologien ist die Verlockung, alles sofort auszuprobieren, sehr groß. So ist beispielsweise bei der Beacons-Auswertung sollten Sie sich vorher genau überlegen:

  1. Was ist sinnvoll für mich?
  2. Was erwarte ich von meinen Kunden/Usern?

Zu beachten ist, den User vor Nutzung einer solchen App darüber zu informieren und auch den Hinweis zu geben, dass die Beacons-Option auch ausgeschaltet werden kann. Es empfiehlt sich, insbesondere für KMU und Einzelunternehmen, einen vertrauenswürdigen Partner zu suchen, der bereits eine reichweitenstarke App mit vielen Downloads im Markt betreibt. Dessen App könnte im Tandem-Verfahren mitbenutzt werden. Und bedenken Sie: User/Kunden werden den Beacon-Dienst in der App nur dann freischalten, wenn sie selbst für sich darin einen echten Mehrwert sehen.

Auswertungsmöglichkeiten von Beacons

Beacons bieten verschiedene Möglichkeiten der Auswertung. Befinden sich in einem Laden mehrere Beacons, kann beispielsweise nachvollzogen werden, welchen Weg der Kunde einschlägt, bevor er zur Kasse geht. So haben Sie eine Möglichkeit reell zu messen, wie viele Ihrer Kunden an einer Aktionsfläche tatsächlich vorbeikommen. In Verbindung mit sozialen Netzwerken heißt das konkret: Sie können messen, welcher User nach dem Blick auf eine Anzeige vor Ort einkauft.

Facebook Place Tips

In New York testet Facebook den Einsatz von Beacons im Rahmen von „Place Tips“. Dank der kleinen Sender erhalten Fans des sozialen Netzwerks ortsbasierte Empfehlungen, sobald sie sich in deren Nähe aufhalten. Mit der Technik können beispielsweise Restaurants auf sich aufmerksam machen. Touristen erhalten außerdem Informationen zu Sehenswürdigkeiten in ihrer Umgebung. Dabei gehen die Tipps und News über den normalen News-Feed hinaus.

Beacons im Social Media Marketing

Die Nachrichten, die die User mit Facebook Place Tips empfangen, werden prominent platziert und haben einen hohen Nutzwert. Dies sind ideale Voraussetzungen für Inhaber von lokalen Geschäften, um neue Kunden in ihre Läden zu locken. Derzeit ist der neue Service von Facebook noch kostenlos. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass zukünftig auch ortsbasierte Anzeigen geschaltet werden können.