Kollaboratives Reisen - und wie lokales Tourismusmarketing davon profitieren kann.

Mit dem geliehenen Mini in den Süden, übernachten bei Nina im Florenzer Stadtkern und zum Mittagessen bei Einheimischen. Sharing Economy ist längst Trend und wenn es nach einigen Studien geht das Reisen der Zukunft. Es zählt nicht mehr das schönste Hotel in schönster Lage sondern einmalige Erlebnisse – so nah dran wie möglich am Leben der Menschen vor Ort. Was man erlebt, muss heute authentischer sein denn je – weit abseits von ausgetretenen Touristenpfaden.

Das neue Reisen scheint zu bedeuten: Die Dachgeschosswohnung nebenan hat mehr Reiz als die betagte Pension im Zentrum. Außerdem läuft der private Stadtführer von Getyourguide.de den Touristenführern auf der Straße den Rang ab. Und Abendessen bei der italienischen Kleinfamilie schmeckt einfach besser als im örtlichen Gasthof. Signalisiert der Trend das Aus für den lokalen Tourismus?

Sharing-Angebote wie Eatwithme.net machen traditionellen Restaurants Konkurrenz

Was nach Krise klingt, kann auch eine Chance sein, eingefahrene Strukturen aufzubrechen und die Angebote besser an das Reiseverhalten einer jungen Generation anzupassen. Denn eins steht fest: die Entwicklung geht weg von Pauschalreisen hin zu Peer-to-Peer-Erlebnissen. Das Forbes Magazin schätzt, dass die Einnahmen, die durch sogenannteShared Services jährlich in private Taschen fließen, weltweit auf 3,5 Milliarden US-Dollar angewachsen sind. Und man geht davon aus, dass in Zukunft etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung ihr Zuhause an Reisende vermieten könnten – viel Konkurrenz also für die ortsansässige Hotellerie.

Her mit der Inspiration!

Doch warum nicht genau hier ansetzten? Wer reist, sucht Informationen gezielt im Internet, egal, wie alt er ist. Erste Anlaufstelle: die sozialen Medien. 83 Prozent der Befragten einer Google-Studie lassen sich in ihrer Entscheidungsfindung hier inspirieren. Die Aufgabe für lokalen Tourismus ist also klar: Kräfte bündeln. Zum Beispiel lassen sich viele begehrte Angebote auf der Facebook-Seite des lokalen Tourismusmarketings verknüpfen – sei es der ortsansässige Bergführer, der für sich alleine kein Online-Marketing betreiben möchte oder der Fahrradverleih vorm Rathaus.

Mehr Airbnb-Gefühl für den lokalen Tourismus

Außerdem könnte der Airbnb-Gedanke auch für die lokale Hotelindustrie einige Anknüpfungspunkte bieten. Warum sollten nicht auch sie der neuen Zielgruppe die Art individueller Erlebnisse bieten, nach der sie hungert. Denn was großen Hotelketten sicherlich schwer fällt, ist für Familienbetriebe und Pensionen machbar. Individuelle Erlebnispakete, Einblicke in das eigene Leben vor Ort oder das Angebot, in der Küche beim Zubereiten regionaler Spezialitäten zu helfen sind hier nur einige Ideen.

Und so groß der Hunger nach individuellem Reisen ist – auf einen gewissen Service werden auch die Reisenden der Zukunft nicht verzichten wollen. Pakete aus individuellen Erlebnissen, zusammengestellt aus mehreren Sharing Services, könnten eine Möglichkeit sein, genau diesen zu bieten.

Profilbild von Maria Maier
Maria Maier

ist Digital Strategin bei Ray Sono. Auf der Schwelle zwischen Unternehmensberatung und Marketing identifiziert sie Kundenanforderungen und Potenziale, entwickelt Strategien und implementiert diese in den Unternehmen. Hier schreibt Maria regelmäßig über aktuelle Trends aus der Branche und ihr Herzensthema, das Tourismus-Marketing.

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