Essen, Stricken, Katzenbilder – Da soll mein Unternehmen im Social Web ernsthaft dabeibleiben?

Sie sind bei Facebook unterwegs und fragen sich mal wieder warum? Der eine zeigt wieder sein unappetitlich gekochtes Abendessen in Großaufnahme? Bei der nächsten bekommen Sie die tausendste Perspektive der eigenen Katze? Und der nächste häkelt in Bewegtbild seine neue Wintermütze?

Mit anderen Worten: Ihre Timeline ist außer Rand und Band? Es ist wieder einer dieser Tage an denen sie sich fragen was das Ganze soll? Und erst recht, warum und wie sich ihr Unternehmen sich an diesem Halligalli beteiligen soll? Bevor Sie jetzt das Handtuch werfen und sich und Ihr Unternehmen aus dem ganzen Halligalli ausklinken, geben Sie den sozialen Medien noch eine Chance – und machen Sie Ihr Ding!

Onlinemarketing ist das Spiel mit der Waage

Denn Sie haben die Wahl. Entweder Sie lassen es sein, steigen aus und nutzen die Zeit anderweitig oder Sie beschäftigen sich mit dem warum und dem wie des Onlinemarketings.

Beim Ausstieg kann und möchte ich Ihnen nicht helfen, weil ich daran glaube, dass Marketing ohne Online schon heute nicht mehr funktioniert. Deshalb sollten Sie sich  mit dem warum und dem wie auseinandersetzen. Über das warum muss an dieser Stelle nicht mehr viel gesagt werden. Um es kurz zu machen: 78 Prozent der Deutschen sind im Internet unterwegs (Link: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/13070/umfrage/entwicklung-der-internetnutzung-in-deutschland-seit-2001/) und verbringen große Teile ihres Lebens online - egal ob mobil oder stationär.

Bei dem Wie wird es für gewöhnlich etwas komplexer und sicherlich führen viele Wege zum Erfolg. Allerdings gilt es auf jedem Weg, das Gleichgewicht zwischen Nutzerinteressen und den Eigenen herzustellen - egal ob gehäkelt, gekocht oder mit der Katze gespielt wird. Aber was sind Ihre eigenen Interessen? Zielsetzungen können im Web nämlich höchst unterschiedlich sein. Nicht immer geht es direkt um Leads und Verkäufe. Auch Markenbildung, Aufmerksamkeit, Reputation werden häufig genannt und sind fast immer Zwischenziele, um am Ende doch einen Lead zu erzeugen.

Wie stellen Sie also Ihre eigene Reputation dar?

1.    Machen Sie Ihr Ding

Wichtig ist, dass Sie auch tatsächlich Sie sind. Das gilt für Privatpersonen, wie für Unternehmen. Erfolgreich sind in der Regel die, die authentisch und persönlich sind.

Die Frage nach dem „wer bin ich“ und „was verkörpere ich“ ist für große Konzerne meist schwieriger zu beantworten, als für den Mittelständler oder den 10-Mann-Betrieb. Letztere sind meist agiler und können sich Situationen und Entwicklungen schneller anpassen. Ein Pfund, mit dem Sie wuchern können.

Wem würden Sie eher vertrauen? Dem Konzern-CEO, der im Hochglanz-Werbevideo und dynamisch geschnittenen Bildfrequenzen über Vertrauen in die Branche spricht. Oder doch dem Dachdecker, der mit  der Handykamera auf dem Hof steht und in Arbeitskleidung von seinem Job erzählt, während die Kollegen hinter ihm gerade den LKW mit Werkzeug beladen?

Mit anderen Worten: Seien Sie sie selbst. Machen Sie was Sie wollen. Machen Sie, womit Sie sich gut fühlen – solange Sie nicht nur Ihre Seite der Wage im Blick behalten.

Zugegeben: Die Erwartungshaltung an den CEO ist eine andere und nicht selten hat er von Beginn an mit Misstrauen zu kämpfen.

Aber was hier fehlt sind Authentizität, ehrliche Worte, persönliche Verbundenheit und damit die Nähe zu den Usern - womit wir auch direkt bei der anderen Seite der Waage sind. 

2.    Schauen Sie auf die Community

… und zwar in zweierlei Hinsicht. Zum einen, wie verhält sich die Community beispielsweise auf Facebook im gesamten. Woran besteht Interesse? Was funktioniert gut? Sind es Bilder, Videos oder Texte? Sind es Fakten oder Just-For-Fun-Inhalte?

Zum anderen, wie verhält sich Ihre konkrete Zielgruppe auf dem Kanal? Sind Sie der Dachdecker, sollten Sie sich ansehen, worüber Häuslebauer in Ihrer Region so schreiben. Und dann stellen Sie womöglich fest: Auch Häuslebauer schreiben viel über ihr Abendessen, das sie sich nach einem anstrengenden Samstag auf der Baustelle verdient haben.

Und wieder haben Sie die Wahl. Sie steigen aus, oder Sie bleiben und spielen das Spiel Ihrer Zielgruppe mit.

Ich sage: Spielen Sie es mit. Liegt es Ihnen tatsächlich so fern, ein Bild von den Kollegen auf dem Gerüst bei der mittäglichen Brotzeit zu veröffentlichen? Untertitel: 5 Dinge, die an unserem Baustellenmittagstisch nicht fehlen dürfen …

Willkommen im HalliGalli-Spiel

Jetzt haben Sie zwar noch kein einziges Dach mehr durch diesen Beitrag gedeckt. Aber Sie sind potentiellen Kunden näher gekommen, weil Sie die Waage zwischen persönlicher und authentischer Darstellung mit dem Kundeninteresse kombiniert haben.

Und damit dürften auch die Chancen gestiegen sein, dass Sie zukünftig mehr Dienstleistungen und Produkte verkaufen - wenn Sie dran bleiben. In sozialen Medien ist einmal kein Mal. Und Onlinemarketing bildet nur einen Teil des Kundenkontakts ab.

Trotzdem: Kaufentscheidungen werden nun einmal in erheblichem Maße durch Persönlichkeit und Sympathie beeinflusst. Also sind Sie gefragt.

Profilbild von Jens Issel
Jens Issel

ist Digital Strategist für den EMEA Raum bei der globalen Agentur Text100. Als Berater entwickelt er gemeinsam mit Unternehmen langfristige Strategien für Onlinekommunikation und -marketing und unterstützt seine Kunden bei Organisation, Umsetzung und Positionierung im Social Web.

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