Facebook Marketing für Unternehmen: Interview mit der Klosterschenke Weltenburg

Gabi Röhrl (51) führt seit 26 Jahren zusammen mit ihrem Mann die Klosterschenke Weltenburg, einen Gastronomie-Betrieb mit rund 100 Mitarbeitern und einem herrlichen Biergarten als Mittelpunkt des barocken Klosterareals. Zu Röhrls Aufgabenbereich gehören unter anderem Marketing und PR – seit Kurzem ist sie auch bei Facebook mit einer eigenen Unternehmensseite mit derzeit 1.600 Fans. Im Gespräch mit Gelbe Seiten erzählt sie von ihren Erfahrungen und erklärt, warum es die richtige Entscheidung war, als mittelständisches Unternehmen in den sozialen Medien aktiv zu werden.

Frau Röhrl, Social Media war für Sie unlängst noch kein Thema. Warum haben Sie Ihre Meinung geändert?

Gabi Röhrl: Die vielfach beschworenen Gefahren der sozialen Medien wirkten auf mich lange Zeit eher abschreckend. In Verbindung mit einem neuen Internetauftritt wurde dann eine Facebook-Seite für die Klosterschenke Weltenburg angelegt, die jedoch bis vor Kurzem nicht genutzt wurde. Im Oktober vergangenen Jahres packte mich jedoch die Neugierde. Ich begann, mich dafür zu interessieren. Einfach mal ausprobieren, dachte ich – und stellte ein paar Bilder ins Netz. Ich war verblüfft: Innerhalb weniger Minuten stellten sich erste Reaktionen ein. Meine Neugierde wuchs, Ehrgeiz kam dazu. Es fiel mir wie Schuppen von den Augen: Facebook bietet unvergleichliche Möglichkeiten. In zwei Seminaren holte ich mir die fehlenden theoretischen Kenntnisse. Dann legte ich richtig los.

Wie viel Zeit investieren Sie seither in Ihre Facebook-Unternehmensseite – und welche Kosten entstehen Ihnen darüber hinaus?

Gabi Röhrl: Die Betreuung der Seite muss neben meiner Haupttätigkeit erfolgen. Das Fotografieren, die Bearbeitung der Bilder und das Einstellen ins Netz beanspruchen insgesamt etwa zwei Stunden über den Tag verteilt. Mal etwas mehr, mal weniger. Allerdings erfordert die Kontrolle der Eingänge viel Aufmerksamkeit. Ich habe die Facebook-Seite immer geöffnet, so dass ich im Abstand von etwa 15-30 Minuten die Bewegungen kontrolliere, um schnell reagieren zu können. Nur so macht es auch wirklich Sinn. Von meiner Arbeitszeit abgesehen entstehen zum Beispiel Kosten für die Anschaffung einer guten Kamera.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Facebook-Unternehmensseite?

Gabi Röhrl: Wir sind ein Unternehmen, das von engagierten Mitarbeitern getragen wird. Facebook gibt uns die Möglichkeit, uns als funktionierende Gemeinschaft darzustellen, deren Ziel es ist, Gästen und Besuchern einige genuss- und erlebnisreiche Momente in unserer Klosterschenke zu bereiten.

Wie gehen Sie dabei vor?

Gabi Röhrl: Unsere Facebook-Seite ist konzipiert als hauseigene Tageszeitung. Wir nutzen die Möglichkeit, uns aus verschiedenen Perspektiven zu zeigen, und gestatten dem Facebook-User auch einen Blick hinter die Kulissen. Damit generieren wir Aufmerksamkeit. Nach dem Motto „ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ arbeite ich fast ausschließlich mit Bildern. Fotografische Kenntnisse sind dabei nicht unbedingt Voraussetzung, etwas Kreativität schon. Und auch die Authentizität spielt eine tragende Rolle. Der Social-Media-Bereich bedeutet für mich nicht nur Kommunikation, Unterhaltung, Rede und Antwort. Da stecken Emotionen drin, da entstehen Freundschaften und Bindungen weit über die Landesgrenzen hinaus. Ein Welt umspannendes Gemeinschaftsgefühl. Das ist Leben im Heute.

Ihre Fans sehen das vermutlich genauso.

Gabi Röhrl: Wir erhalten tatsächlich viele positive Reaktionen auf unseren Facebook-Auftritt. Viele bedanken sich für die Informationen. Das motiviert. Erstaunlich ist auch, wie viele Facebook als direkten Kontakt zu uns mittlerweile nutzen. Ob für Reservierungen oder Anfragen, über Facebook geht alles wesentlich schneller und unkomplizierter. Die Anrede ist oft in „Du-Form“ (war für mich Neuland), kurz, klar und direkt.

Gab es auch mal Kritik oder negative Kommentare?

Gabi Röhrl: Kritik haben wir bisher keine bekommen, Anregungen immer wieder einmal. Einen anstößigen Kommentar haben wir im vergangenen halben Jahr auf ein Bild erhalten. Dieser Kommentar wurde sofort gelöscht. Unsere Reaktion haben wir öffentlich erklärt und den Verfasser über Facebook persönlich angeschrieben.

Ergreifen Sie Online- oder Offline-Maßnahmen zur Bewerbung Ihrer Fanpage?

Gabi Röhrl: Auf der Webseite der Klosterschenke Weltenburg, in den Hausprospekten und Flyern wie auch in unseren Anzeigen in den Printmedien (Wochenaktionen) und in E-Mails weisen wir auf die Facebook-Seite hin. Bezahlte Anzeigen haben wir bisher nicht über Facebook geschaltet.

Worin liegt, Ihrer Ansicht nach, der konkrete Nutzen einer Facebook-Unternehmensseite für kleine und mittelständische Unternehmen?

Gabi Röhrl: Social Media bietet große Möglichkeiten für öffentlichkeitswirksame Kommunikation. Auch bei entsprechendem Budget dürfte es schwerfallen, über die herkömmlichen Medien eigene Botschaften auch nur annähernd so wirkungsvoll zu platzieren.

Und für Sie persönlich?

Gabi Röhrl: Zugegeben, anfangs war es als Marketingstrategie geplant. Doch es ist längst viel mehr daraus geworden. Wir haben eine kleine, jedoch sehr treue Fangemeinde, die uns sehr verbunden ist. Ich freue mich jeden Tag auf den Kontakt mit unseren Facebook-Fans – und das Schöne daran: Es werden täglich mehr!