Was kostet Influencer-Marketing? Eine Bloggerin, ein Markenmanager und ein Agenturchef reden Klartext

Social Influencer sind heute gefragte Publisher. Mancher von ihnen hat mehr Follower als ein TV-Sender Zuschauer. Damit sind sie zu begehrten Partnern der Werbewirtschaft geworden. Kooperationen mit ihnen ermöglichen eine völlig neue Form der Kommunikation – gerade auch mit der jungen Zielgruppe, die sich mehr und mehr vom klassischen Fernsehen abwendet. Gut gemachte Kooperationen schaffen Engagement, generieren Fans, pushen den Umsatz

Ein Punkt, der beim Hype ums Influencer Marketing häufig außen vor bleibt, ist die Frage nach den Kosten. Bei einem Branchenevent der Digitalmesse Dmexco haben Frank Vogel, Geschäftsführer der neuen Influencer-Agentur  „InCircles“ von Gruner + Jahr, die Bloggerin Laura Brodda sowie der Digitalchef von Lorenz Snack World, Thomas Weiser, ein Thema angesprochen, über das sonst nicht geredet wird: Was kostet es eigentlich, wenn Influencer auf Instagram, Pinterest, Facebook, Snapchat und Youtube Produkte präsentieren?

Bloggerin mit Hang zum Perfektionismus

Laura Brodda ist studierte Soziologin und seit 2015 als Social Media Influencerin aktiv. Sie hat auf Instagram (#All that choices) rund 56 000 Follower. Außerdem schreibt sie auf ihrem Blog Allthatchoices regelmäßig über Beauty-, Mode- und Lifestylethemen. Zu ihren Kunden zählen beispielsweise der Schuhhersteller Birkenstock sowie das Modellabel MBYM. Gerade Blogeinträge benötigen sehr viel Zeit und Sorgfalt, verrät die Influencerin. Zunächst muss sie eine Idee entwickeln. Alles muss ja möglichst authentisch rüberkommen und den ästhetischen Ansprüchen ihrer Follower genügen. Schminken, stylen, schreiben, Tags setzen, das kostet Zeit. Um eine optisch gelungene Geschichte zu erzählen, braucht sie rund acht Stunden Zeit.

Aber nicht nur ihre Blogbeiträge, auch ihre Instagram-Bilder sind mit Sorgfalt erstellt. Das gehe jedoch „wesentlich rascher“, sagt die Mainzerin. Für vier Posts verlangt sie rund 1000 bis 3000 Euro. Insgesamt sei diese Form der Werbung im Verhältnis sehr günstig. Für Kunden würde es sich im Moment auf jeden Fall lohnen, einzusteigen. Auch, weil diese Form des Product Placements noch eine Grauzone sei. „Influencer Marketing ist noch sehr günstig“, sagt Brodda. Damit könnten Kunden im Moment noch „ein kleines Schnäppchen“ schlagen. Langfristig dürfte diese Form des Marketings deutlich teurer werden, vermutet sie.

Der Agenturchef bringt Marke und Influencer zusammen

Auch Gruner + Jahr ist in dieses florierende Geschäftsfeld vorgedrungen und hat eine neuartige Vermarktungsplattform geschaffen, die Influencer Kampagnen umsetzt. Rund 600 Influencer hat Incircles unter Vertrag. Geschäftsführer Frank Vogel pflegt zu ihnen „ein gutes Beziehungsmanagement“, wie er sagt. Sein Unternehmen gewährleistet, dass Influencer und Marke – auch im Hinblick auf die gewünschte Zielgruppe - wirklich zusammenpassen. Aber auch auf die Qualität des Contents haben er und seine Mitarbeiter ein Auge, denn nur wenn der Content wertvoll ist, erzielt er die gewünschte Wirkung. „Der Inhalt ist das A und O, er muss die Followerschaft berühren“, so Vogel.

Ist die inhaltliche Arbeit getan, erstellt Incircles Tag für Tag Life-Reports mit den Ratings und zeigt auf, wo nachjustiert werden muss. Die Einstiegshürde für eine Kampagne durch die Gruner+Jahr-Tochter liegt bei 11 500 Euro. Damit erreicht der Kunde rund 500 000 Follower. Soll auch der Videokanal Youtube eingebunden werden, dann sind etwa 20 000 Euro fällig. Für Vogel ist das Social Influencer Marketing ein boomender Markt. In den nächsten drei Jahren rechnet er mit einem signifikanten Umsatzanstieg.

Marken-Manager freuen sich über hohe „Engagement-Raten“

Thomas Weiser, Manager Digital bei Lorenz Snack World, setzt ebenfalls auf die Kraft des Social Influencer Marketings. Dabei arbeitet Lorenz je nach Case mit sogenannten Micro-Influencern zusammen, die 5000 bis 10000 Follower haben, aber auch mit solchen, deren Fangemeinde bereits auf eine Million und mehr angewachsen ist. Für eine Aktion, die im vergangenen Jahr an Silvester lief, hat Weise für die Marke Crunchips 50 Influencer eingebunden. Für Weiser eine wichtige Maßnahme, denn die Zeit um das Jahresende ist für das Unternehmen Hauptumsatzzeit. Die Aktion habe dem Unternehmen einen niedrigen 5-stelligen Betrag gekostet. Das habe sich aufgrund der hohen Engagement-Rate sowie der riesigen Anzahl positiver Kommentare gelohnt. Für sein Unternehmen konnte Weise „einen hohen Mehrwert“ rausholen. Bei aller Euphorie sollte die Branche eines nicht vergessen: sie muss, so Weisers Wunsch, für mehr Transparenz und konkrete Messbarkeit sorgen.

Profilbild von Lisa Priller-Gebhardt
Lisa Priller-Gebhardt

 ist freie Journalistin und schreibt über die deutsche Medienlandschaft, vorwiegend für das Fachmagazin Werben & Verkaufen, aber auch für Kontakter, Welt am Sonntag, SZ sowie den Blog der BLM. Themenschwerpunkte sind Fernsehen, Digitalwirtschaft sowie Printmedien. Nach einem Volontariat bei Hubert Burda Media und dem Besuch der Deutschen Journalistenschule in München arbeitete sie für Bunte, Bild, Freundin, Antenne Bayern und die Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung, Jetzt.

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