Zielgruppe I: Social Media - oder die ständige Aufforderung zum Tanz

Die Ballsaison ist eröffnet. Das erste Mal im Jahr ist „dunkler Anzug“ angesagt. Er unterhält sich mit anderen Gästen, trinkt Rotwein und beobachtet den ganzen Abend die Dame im dunklen Ballkleid, die mit unterschiedlichen Tanzpartnern über das Parkett schwebt. Nur sie hat bisher kein einziges Mal rüber geschaut.

Den ganzen Mut zusammengenommen, von hinten genähert, sie angelächelt und zum Tanz aufgefordert.

Abgelehnt.

Sie tanze nicht, sagt sie. Und ob sie tanzt. Schon nach zehn Minuten wieder. Autsch. Was ist passiert? Seine Brille? Seine Stimme? Sein Alter? Sein Aussehen? Man weiß es nicht. Auf Risiko gespielt und leider verloren.

Social Media - Bälle für Millionen

Kann ja mal passieren. In dem Zusammenhang vielleicht nicht so schlimm. Aber was hat das Ganze mit der Onlinekommunikation zu tun?

Ganz einfach:

„Kommunikation im Social Web sind die Bälle für Millionen.“

  • Die Bälle sind Facebook, Twitter ' Co.
  • Die Herren sind die Unternehmen und Organisationen, die zum Tanz auffordern.
  • Die Damen sind die User und Kunden, die sich köstlich amüsieren und gelegentlich zum Tanz aufgefordert werden.

„Was ein antiquiertes Bild“, werden manche sagen. „Passt das noch in unsere Zeit?“ Wie auch immer. Irgendjemand wirbt immer um die Aufmerksamkeit und Zuneigung von irgendeinem anderen.

Bin ich im richtigen Ballsaal?

In diesem Fall ging es schief. Aber warum? Vielleicht hätte er das Risiko minimieren können. Wäre sein einziges Ziel gewesen, eine Frau zum Tanz aufzufordern, hätte er damit anfangen können, sich zu überlegen, ob der gewählte Ball die richtige Plattform ist. Ob dort die tanzwilligen Damen vertreten sind.

Heißt: Auch der Schwertransportbremsklotzschmieröl-Hersteller, das Brautmodengeschäft oder die ABC-Brandschutzversicherung sollten zuvor analysieren, ob ihre Kunden auf Facebook, Twitter oder einer der anderen Plattformen vertreten sind und wie sie sich dort verhalten.

Schauen Sie sich Studien an, wer auf welchen Plattformen unterwegs ist. Es geht um Alter, Geschlecht, Lebensumstände, Hobbies und vieles mehr.

Eine Frage des Auftritts

Wer im Rheinland unterwegs ist, kennt die Sache mit den Bällen auch. Gerade zu Karneval stellt sich immer wieder die Frage: Im Kostüm oder in Abendgarderobe? Wer möchte schon als Clown auftauchen, wenn alle anderen den dunklen Anzug tragen?

Im Idealfall geben Eintrittskarte oder Einladung Auskunft. Das ist online leider nicht immer der Fall. Sicherlich gibt es Foren für junge Mütter oder Angler. Das gibt bereits erste Indizien, wer dort wie unterwegs ist.

Auf Twitter, Facebook ' Co. steht allerdings nirgendwo angeschlagen „Nur für junge Frauen, die Interesse an Beauty, Partys und Kleinwagen haben.“ Oder „Nur für Männer, die einen Nagel gerade in die Wand schlagen können, samstags um 18:00 Uhr die Sportschau gucken und alleinstehend sind.“

Nein, hier ist Jedermann unterwegs. Die Verhaltensweisen sind völlig unterschiedlich. Und nachdem Sie im ersten Schritt bereits festgestellt haben, dass die potentiellen Kunden auf dem entsprechenden Kanal unterwegs sind, gilt es herauszufinden, wie Sie sich dort verhalten.

Wie das geht? Beginnen Sie nicht direkt als Unternehmen. Melden Sie sich als Einzelperson an und beobachten wie sich die Menschen dort unterhalten und auftreten.

Dementsprechend gestalten Sie anschließend Ihren Kanal. Schrill, bunt oder dezent. Laut, leise, jung oder alt. Dabei muss es übrigens nicht immer der Unternehmenskanal sein. Manchmal ist es besser, stattdessen Einzelpersonen mit Personenprofilen online auftreten zu lassen. Das ist persönlicher und schafft Nähe und kann daher effektiver sein.

Und vielleicht hätte es dem Tanzwilligen zu Beginn auch geholfen, zu beobachten, wie nahe die Dame den anderen Tänzern bereits stand. Kannte sie diese bereits vorher? Anderes Alter? Keine Brille? Er hätte sein Verhalten anpassen können.

Das alles hätte seine Chancen erhöht. Aber vielleicht wäre es auch um gemeinsame Interessen, den richtigen Moment oder einen „Blick in ihren Kopf“ gegangen?

Darum wird es im zweiten Teil dieses Artikels gehen.

Profilbild von Jens Issel
Jens Issel

ist Digital Strategist für den EMEA Raum bei der globalen Agentur Text100. Als Berater entwickelt er gemeinsam mit Unternehmen langfristige Strategien für Onlinekommunikation und -marketing und unterstützt seine Kunden bei Organisation, Umsetzung und Positionierung im Social Web.

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