Die „Generation Y“ wird es richten – oder auch nicht

Die „Generation Y“ der heute etwa 18- bis 30-jährigen beschäftigt Wirtschaft, Medien und Meinungsforschungsinstitute nun schon seit mehreren Jahren. Häufig bleibt die Diskussion um die Wünsche, Bedürfnisse und Werte dieser aktuell so prominenten Generation jedoch zwischen pauschalen Urteilen und gegensätzlichen Aussagen zurück. „Individuelle Leistungsträger“ oder „sinnsuchende Leistungsverweigerer“ sind die wohl am häufigsten verwendeten Schubladen. Dass die tatsächlichen Bedürfnisse derer, die kurz vor dem Berufseinstieg stehen oder die gerade die ersten Jahre im Job verbringen hinter diesen pauschalen Urteilen zu kurz kommen, liegt auf der Hand.

Unsere aktuelle Wertestudie Studie „Wertewelten Arbeiten 4.0“ zeigt nun, dass die Werte, Vorstellungen und Wünsche der Gen Y zum Thema Arbeit nicht anders sind, als die der älteren Generationen. Natürlich kann man der Gen Y auch bestimmte Impulse zuschreiben. Alleine deshalb, weil sie im digitalen Zeitalter aufwuchsen, sich aufgrund veränderter Kommunikationskanäle anders verhalten und dadurch dynamischer und agiler erscheinen. Doch Achtung, der Anschein trügt, denn viele von Ihnen streben dennoch nach eher traditionellen Aspekten, wie zum Beispiel „Sicherheit“ und „klare Vorgaben“, die eher den älteren Generationen zugeschrieben werden.

Widersprüchliche Aussagen bezüglich der „Gen Y“ verunsichern Unternehmen zunehmend

„Vergesst die Gen Y“ und „es lebe die Gen Y“. So widersprüchlich diese Aussagen auch klingen mögen, so zutreffend sind sie in Bezug auf unterschiedliche Betrachtungswinkel: Klar ist, dass die Gen Y keine einheitlichen Vorstellungen in sich trägt, noch nicht einmal ein typisches Muster. In der repräsentativen Studie „Wertewelten Arbeiten 4.0“, gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Rahmen der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA), über die ich in einem meiner letzten Artikel berichtete, zeigen die Vertreter der Gen Y die gleiche Vielfalt an Werten, Vorstellungen und Wünschen zur idealen Arbeitswelt, wie die Gesamtheit der Erwerbspersonen in Deutschland. Es handelt sich also eindeutig um eine generationenübergreifende Vielfallt und man kann die Gen Y in Bezug auf eine eigenständige Wertegruppe getrost vergessen.

Aus einem anderen Betrachtungswinkel heraus ist die Gen Y natürlich eine für die Zukunft von Deutschland sehr bedeutungsvolle Gruppe von Erwerbspersonen. Es sind junge Menschen, die den größten Teil ihres Erwerbslebens noch vor sich haben. Sie sind im digitalen Zeitalter groß geworden und bewegen sich mit einer bewundernswerten Selbstverständlichkeit in einer vernetzten Welt, die Dynamik und Agilität ausstrahlt. Vor diesem Hintergrund dürfte man von dieser Generation wichtige Impulse für die Zukunft der Arbeitswelt erwarten können und zu dem Schluss kommen: „es lebe die Gen Y“.

Doch Achtung, die Gen Y zieht nicht an einem Strang! Auch wenn besonders für die aus der vordigitalen Zeit stammenden Erwerbspersonen das äußere Erscheinungsbild und das Verhalten der Gen Y auf den ersten Blick homogen und „neu“ erscheinen mag, so finden sich in der Gen Y ebenso viele mit Streben nach Sicherheit, klaren Vorgaben, Stabilität und persönlichem Wohlstand, wie in den älteren Generationen. Für die Entwicklung einer neuen Arbeitswelt, die in einem agilen, kooperativen, leistungsorientierten Miteinander und gestärktem „Wir“ die komplexen Herausforderungen einer vernetzten Welt meistert, können wir also nicht alleine auf die Gen Y setzen.

Stark heterogene Anspruchsgruppen fordern Organisationen mehr und mehr heraus

Diese Entwicklung stellt neue Herausforderungen an Unternehmen, die Sozialpartner und die Politik. Die Vielfalt steckt im Ganzen und nimmt zukünftig eher noch zu als ab. Die digitale Vernetzung ermöglicht das Entstehen und die Etablierung von Wertegruppen schnell und machtvoll. Die starke Mitte schmilzt und im Kräftespiel der unterschiedlichen Werte, Einstellungen und Meinungen können ganze Systeme zum Erliegen kommen. Es gilt gemeinsam zu verhindern, dass die kulturellen Bänder reißen. Es wird nicht ausreichen die Umgestaltung von Organisationen anhand vermeintlich pauschaler Bedürfnisse einer neuen Generation zu orientieren.

Mit der Veränderung in eine Richtung, wird man der Vielfalt der Bedürfnisse und der heterogenen Anspruchsgruppen nicht gerecht werden können. Unternehmen werden also zunehmend gefordert sein, verschiedenen Bedürfnislagen innerhalb der Gestaltung der Arbeit nachzukommen. Das bedeutet zum Beispiel, dass in Fragen der Arbeitszeitgestaltung, der Weiterqualifizierung und der Führungsmodelle mehr Wahlmöglichkeiten eröffnet werden müssen. Die Zeit ist reif für ernsthafte Diskurse und Aushandlungsprozesse, um über eine tragfähige Einheit in der Vielfalt eine zukunftsfähige und lebenswerte Arbeitswelt zu schaffen.

Einladung zum ARD-Digitalcamp der „Gen Y“ zur Zukunft der Arbeit am 26.10.2016 in Berlin

Eine nächste Chance sich einzubringen, hat die Gen Y am 26.10.2016 in Berlin. Als Mitgestalter der Auftaktveranstaltung der diesjährigen ARD-Themenwoche „Zukunft der Arbeit“ laden wir 200 junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Studierende und Auszubildende aber auch Jungunternehmerinnen und -unternehmer aus dem gesamten Bundesgebiet an dem Tag nach Berlin ein, um dort gemeinsam Ideen und Visionen für die Arbeitswelt von Morgen zu entwickeln. Zielsetzung des Digitalcamps ist es, der Generation zwischen 18 und 30 Jahren eine Stimme bei der Gestaltung der Zukunft von Arbeit zu geben und auch ihre Erwartungen an Politik und Gesellschaft herauszuarbeiten.

Fragen wie zum Beispiel „Wie arbeite ich in Zukunft?“, „Wie verändert die Digitalisierung meinen Arbeitsplatz?“, „Welchen Wert besitzt meine Arbeit zukünftig?“, „Was müssen unsere Kinder lernen, um in der digitalen Arbeitswelt gute Berufschancen zu haben?“, oder „Werde ich von meiner Arbeit noch gut leben können?“ sind wichtige Fragen unserer Zeit, die in einem vernetzten Workshop mit digitaler Unterstützung aufgegriffen werden. Aber auch inhaltliche Impulse von zum Beispiel Dr. Steffi Burkhart finden im ARD Digitalcamp ihren Raum. Und noch ein besonderes Highlight zum Schluss: Am selben Abend werden die erarbeiteten Ergebnisse Journalisten und Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft vorgestellt und mit ihnen diskutiert.

Informationen zur Veranstaltung und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Interessierte hier

Wir freuen uns sehr auf zahlreiche Anmeldungen und einen zukunftsweisenden Tag! Vielleicht sind auch Sie dabei?

Andreas Greve

ist Mitbegründer und Geschäftsführer der nextpractice GmbH. Der studierte Psychologe, ausgebildete Kaufmann und Holzbearbeitungsmechaniker beschäftigt sich aktuell neben dem Management von größeren Beratungsprojekten mit dem Wandel der Arbeitswelt und dessen Auswirkungen auf Organisationen und Führung. Die nextpractice GmbH ist spezialisiert auf Analysen im Bereich der Markt-, Trend- und Gesellschaftsforschung, der Gestaltung von kulturellen Entwicklungsprozessen und methodengestützte Strategieberatung.

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