Legale Internetrecherchen über (künftige) Mitarbeiter
30/04/2013 13:04

Legale Internetrecherchen über (künftige) Mitarbeiter

Schon 2011 recherchierte jeder zweite Arbeitgeber online über Bewerber. Immerhin soll der künftige Mitarbeiter nicht nur seine Aufgaben qualifiziert erfüllen, sondern er repräsentiert auch Ihr Unternehmen, soll einen positiven Eindruck bei Ihren Kunden hinterlassen und sich gut ins Team eingliedern. Dasselbe gilt natürlich auch für bereits bei Ihnen beschäftigte Mitarbeiter.

Das Thema betrifft den kleinen Elektroinstallationsbetrieb genauso wie das Maschinenbauunternehmen mit 450 Mitarbeitern und eigener Personalabteilung. „Früher kamen die Mitarbeiter noch aus dem eigenen Ort. Wenn sich jemand daneben benommen hatte, dann erfuhr man das auf dem Sportplatz oder im Schützenverein.“, zitiert handwerk.com Tischler Deppe aus Hameln. Heute informiert sich der Handwerksmeister im Web über seine Bewerber und Facebook ersetzt den Sportplatz.

Stimmen Lebenslauf, Meinungsäußerungen und Freizeitaktivitäten der Bewerbung mit den Ergebnissen der Online-Recherche nicht überein, entscheiden Sie sich gegebenenfalls gegen eine Einladung zum Vorstellungsgespräch oder werden den Jobanwärter hierzu gesondert befragen. Fraglich ist jedoch, was in datenschutzrechtlicher Hinsicht bei der Online-Recherche über Bewerber und Beschäftigte zulässig ist. Bei einem Rechtsverstoß drohen aufsichtsrechtliche Sanktionen, Schadensersatzansprüche und ein Reputationsverlust für Ihr Unternehmen. Die Bundesregierung hat das geplante Beschäftigtendatenschutz-Gesetz zurückgestellt. Wie können Sie also in Anbetracht der im Umbruch befindlichen Rechtslage relevante Informationen gewinnen, ohne sich der Gefahr einer Klage auszusetzen z. B. Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz:

  1. Erheben Sie nur allgemein zugängliche Daten, die für Einstellung oder Kündigung rechtlich relevant sind.
  2. Beschränken Sie Ihre Recherche auf Suchmaschinen und Berufsnetzwerke, wie z. B. Xing.
  3. Beachten Sie die AGB Ihrer Quelle: Dürfen Informationen der Nutzer für die Personaldatenerhebung verwendet werden?
  4. Respektieren Sie Privatsphäre und Meinungsfreiheit. Eine Ausnahme stellt unsachgemäße Kritik oder die Bekanntgabe von Betriebsgeheimnissen dar. Diesbezügliche Daten dürfen Sie speichern und nutzen.

Natürlich lassen sich nicht nur negative Äußerungen im Netz überprüfen. Vielleicht zeichnet sich der künftige Nachwuchsdachdecker Ihres Unternehmens auch durch ein Engagement bei der freiwilligen Feuerwehr aus oder Ihr Marketingmitarbeiter genießt dank kompetenter Blogbeiträge und Kommentare im Internet den Ruf eines echten Branchenkenners. So kann sich eine Internetrecherche im Vorfeld eines Bewerbungsgespräches für einen Bewerber auch sehr positiv auf seine Chancen auswirken.

Weitere Tipps und Informationen von Rechtsanwalt Dr. Carsten Ulbricht zur datenschutzkonformen Personenrecherche im Betriebsumfeld finden Sie auch auf silicon.de.