Kolumne: Das Transformieren, die Kreativität und die Blockbuster
(8)

Kolumne: Das Transformieren, die Kreativität und die Blockbuster

Es ist Herbst. Kriege brechen aus und „Etwas“ bricht in Märkte ein! Leute, es ist Disruption! Die Geschwindigkeit des Wandels kann niemand mehr mithalten. Schon gar nicht der „kleine Angestellte“. Menschen geraten unter die Walze der Veränderung und die Auswirkungen werden am Arbeitsmarkt deutlich werden. Risiken. Die Gesellschaft versagt, niemand hat mehr Arbeit. Wir alle haben doch Angst in Neuland.

Entschuldigung. Von was ist hier eigentlich die Rede? Steht uns wirklich ein Krieg ins Haus? Will jemand oder gar „Etwas“ uns vertreiben? Vernichten? Das Böse vielleicht? Oder ist es das ein Skript für einen neuen Roland Emmerich-Streifen?


Nein. Wäre aber möglich. Die einleitenden Worte – um das jetzt aufzulösen und Stürme der Entrüstung abzuwürgen – sind eine Komposition aus Zitaten, die ich in den letzten Wochen in nahezu allen Beiträgen (analog und digital) gelesen habe, wenn ich Nachrichten rund um die „Digitale Transformation“ konsumiert habe. Das geht Ihnen sicherlich nicht anders. Wer heute aufmerksam Informationen inhaliert, kommt um die Themen Digitalisierung, Internet der Dinge, Industrie 4.0 und #whatsoever nicht mehr herum.


Warum ist die Art und Weise in der über dieses Paradigma informiert wird leider größtenteils von einer eher einschüchternden Wortwahl geprägt? Bei aller Abwägung sind das vermutlich altbekannte Mechanismen, denn neben Sex verkauft sich auch Angst ziemlich gut. Medien, Agenturen und Unternehmensberater nutzen diese Formen der Präsentation gerne zur Aufmerksamkeitsgewinnung und Steigerung ihrer Bekanntheit und umso mehr für steigende Absatzzahlen.


Die Ergebnisse sind in Gesprächen mit Unternehmern und Mitarbeitern in vielen Unternehmen spürbar: Denn auch das sind menschliche Mechanismen. Schutzmechanismen. Doch vor was wollen wir uns eigentlich beschützen oder sollen beschützt werden? Steckt nicht in der Digitalisierung eine Menge Potenzial und Chance für jedes Unternehmen, für jeden Mitarbeiter? Und insbesondere: steckt in diesem Wandel nicht eine gehörige Portion Faszination und Kreativität, die es zu wecken gilt?


Schauen Sie über den „Teich“, dann erkennen Sie, dort laufen viele Sachen anders. Lassen Sie mich dafür noch einmal die Blockbuster-Einleitung aufgreifen. Derzeit hat es schon fast James-Bond-Bösewicht-taugliche Züge, wird darauf geschaut, was  dort umtriebige Unternehmer aus der digitalen Welt neben ihrem ursprünglichen Kerngeschäftsmodell so treiben. Da baut ein Unternehmer, der anfangs elektronische Bezahlsysteme großgemacht hat und jetzt Geld mit Autos macht (obwohl er eigentlich Batterien verkaufen will), mit zurückhaltender Öffentlichkeit Raketen, die auf Plattformen landen können und somit zweitverwertbar sind. Andere – oder eigentlich gefühlt alle – Unternehmen forschen aus irgendwelchen Gründen am „autonomen Fahren“. Das #Isso. Das, was alle miteinander verbindet, ist die Faszination des Veränderns. Da ist Scheitern gestattet, keineswegs Schadenfreude gefragt.


Wäre es nicht großartig, würden wir ähnliche Geschichten mit ähnlicher Tonalität auch über mehr deutsche Unternehmen erzählen? Doch dafür liegt noch ein Stück Arbeit vor uns, denn leider ist in diesen Zusammenhängen allzu oft das Thema Technologie (oder viel verrückter: Datenschutz) im Fokus.


 


Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass ein zwingend notwendiger Schritt vor der erfolgreichen digitalen Transformation eines Unternehmens die Weckung von Begeisterung und das digitale Verständnis der Mitarbeiter sein wird. Sie sind unsere Identifikationsfiguren und Identitätsstifter. Sind Mitarbeiter in der Lage, digitale Zusammenhänge und Werkzeuge als Chancen zu begreifen, dann werden sie auch hinter der strategischen Veränderung stehen und begeistert am Wandel mitarbeiten.


 


Voraussetzung, liebe Unternehmer, ist neben einer sinnvollen und zukunftsorientierten digitalisierten Strategie allerdings auch die Schaffung von unternehmensinternen Rahmenparametern. Unterdrücken Sie die Blockbuster-Rhetorik von außen. Fördern Sie in Ihren Unternehmen die positive Einstellung Ihrer Mitarbeiter gegenüber der Veränderung und leben Sie dieses immer auch aktiv vor. Bieten Sie Schulungen und Coachings an. Nehmen Sie Ihren Mitarbeitern die Ängste und suchen Sie in Ihrer Unternehmung nach Identitätsstiftern und Kreativen. Vielleicht hatten Sie viele der potentiellen Kandidaten bis jetzt nicht auf dem Schirm – doch denken Sie bitte quer. Mischen Sie die Markterfahrung der älteren Mitarbeiter mit dem digitalen Selbstverständnis der jüngeren Mitarbeiter. Geben Sie Freiräume fürs Versuchen. Und Sie werden sehen, es werden sich vielversprechende Dinge in Ihrer Organisation tun.


Springen wir nochmal zurück zum Anfang und verknüpfen wir die Gedankengänge. Vielleicht gelingt es kreativen Unternehmern mit motivierter Organisation im Rücken, den filmischen Helden im Unterhemd zu verkörpern. Der, den die Leute mögen. Der, der den bösen Marktdisruptor fernhält. Der, der am Ende auch einen guten Spruch macht. In diesem cineastischen Sinne: „Carpe Diem“ und/ oder „Hasta la Vista, Baby“!

Profilbild von Christian Bredlow
Autor/-in
Christian Bredlow
Geschäftsführer

hat Wirtschaftsinformatik an der FHDW Hannover studiert und war mehr als 15 Jahren in der Medien- und Verzeichnisbranche aktiv. Bis Februar 2015 war Christian Bredlow für die Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG in Hannover in diversen Positionen tätig. 2011 übernahm er als Leiter Marketing u.a. die Verantwortung für das Produktmanagement, die Kommunikation und das Business Development bei der Schlüterschen. In dieser Zeit war er zudem als Geschäftsführer am Aufbau der Lokale Internetwerbung GmbH & Co. KG und anderer Beteiligungen aktiv beteiligt. Unter dem Motto „Der digitale Wandel beginnt im Kopf des Unternehmers“ wendet sich Christian Bredlow seit Mitte 2015 als Gründer und Geschäftsführer der Digital Mindset GmbH an Unternehmer, die vor der digitalen Veränderung Respekt haben und Ihr Unternehmen „Fit für die Transformation“ machen wollen. Außerdem ist er Mitglied der Geschäftsleitung in der Hencke Gruppe, einer mittelständischen Unternehmensgruppe u.a. bestehend aus diversen IT-Unternehmen mit Schwerpunkt Managed Mobility, Systemhaus und Softwareentwicklung. Er ist Vater von Zwillingen, bloggender Musikliebhaber und leidenschaftlicher Referent. „Keine Heizdecken! Denkt nach.“ – seine interaktiven Vorträge provozieren und regen, manchmal auch unterstützt von HipHop-Einlagen, zum Nachdenken an.

Wie finden Sie diesen Artikel?