Nachhaltiges Wirtschaften liegt im Trend

Nachdem die Höhe der Managementgehälter einmal mehr in der öffentlichen Diskussion steht, nehmen wir uns heute ein ernsthaftes Thema vor: „nachhaltiges Wirtschaften“. Jetzt sagen Sie vielleicht, was für ein alter Hut! Und in der Tat ist der Begriff„Nachhaltigkeit“ vielgenommen, aber nur selten wirklich fassbar.

Fangen wir daher von vorne an: „Eine Entwicklung ist nachhaltig, wenn sie die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass zukünftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“, legte einst die Brundtland UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung 1983 fest – ein Satz, der heute immer noch seine Gültigkeit hat. Was bedeutet das für die Wirtschaft? Unternehmen existieren nicht separat von der Gesellschaft, sondern sie befinden sich in deren Mitte. Sie profitieren von ihr, denn diese sorgt fürs Geschäft, der Staat liefert Marktrahmen, Besitzsicherheit und Infrastruktur. Insofern haben Unternehmen ein vitales Interesse am Funktionieren der Gemeinschaft, sie tragen aber daher dafür auch Verantwortung.

Früher meinte man, es reiche aus z.B. Arbeitsplätze zu schaffen, sich an die Gesetze zu halten und Steuern zu zahlen. Beides ist heutzutage immer noch entscheidend, aber doch nicht mehr ausreichend. Denn seit 1983 und mit der zunehmenden Industrialisierung und Globalisierung haben Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten ihre Ansprüche an Unternehmen gesteigert. Unternehmen sollen heute nachhaltig managen und eine proaktive und strukturpolitische Gestaltungsrolle einnehmen. Sie sollen nach Win-Win Potentialen zur Verbesserung von Öko- und Sozio-Effizienz suchen und diese in ihren Management-Prozess einfließen lassen. Die Wissenschaftlerin Elisabeth Göbel hat das auf eine einfache Formel gebracht: Alles, was verantwortbar ist, darf sich auch lohnen, aber nicht alles, was sich lohnt, ist auch verantwortbar.“

Die Europäische Union hat diese Ansprüche 2001 in ihrem Grünbuch „Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen“ zum ersten Mal ausdrücklich formuliert und seither weiterentwickelt. Sie hat ein Managementsystem etabliert, das Unternehmen als Grundlage dienen kann, soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in ihre Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren. Sein Name: Corporate Social Responsibility (CSR)

CSR bedeutet ein Drei-Dimensionen-Modell der Nachhaltigkeit. Es verknüpft den Zusammenhang zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Zielsetzungen. Dahinter steht die Überlegung, dass es nicht möglich ist, ausschließlich Ziele einer der drei Nachhaltigkeitsdimensionen zu verfolgen. Wird eine oder zwei der drei Dimensionen vernachlässigt, wirken sich die dann in Folge auftretenden Effekte negativ auf die gesamten Zielsetzungen aus. Dazu kommt die Notwendigkeit einer inter- und intragenerative Gerechtigkeit und der Einbezug globalen Arbeitens.

Themenfelder der CSR sind unter anderem Mitarbeiterrechte (u.a. Nicht-Diskriminierung, Aus- und Weiterbildung), Menschenrechte (u.a. Kinderarbeit, Zwangsarbeit, Versammlungsfreiheit MA), Standortverhalten (Wohltätigkeit, Dialog, Arbeitsplätze), Geschäftsverhalten (Corp. Governance, Anti-Korruption) und Umweltschutz (Ressourcen, Emissionen, Abfall).

Unternehmen müssen sich diese Themen nicht selbst erarbeiten. Organisationen wie das Global Compact Netzwerk oder der Deutsche Nachhaltigkeitskodex und viele andere mehr Stellen betreffende Kataloge und Messmethoden bereit, an denen sich Unternehmen orientieren und die sie anwenden können. Die Ergebnisse halten sie dann jährlich in einem Nachhaltigkeitsbericht fest, der extern und unabhängig testiert werden kann.

Nachhaltiges Management und CSR, so betont die EU ausdrücklich, ist freiwillig. Aber getragen von der Einsicht, dass eine Beachtung ihrer Spielregeln am Ende allen nützt. Das meint durchaus handfeste Vorteile – Unternehmen, die ihre Verantwortung wahrnehmen, vermeiden eine kritische Öffentlichkeit, die wiederum den Absatz beeinträchtigen könnte.

Sie vermeiden auch, dass der Gesetzgeber regulierend eingreift, wenn die Entwicklungen aus seiner Sicht falsch laufen.